Hier schreibt der Mathematiker Alexander Dreyer über Formeln, Fernsehen und andere Dinge, die die Welt (nicht) braucht. Die ungeschminkte Wahrheit über den ganz normalen alltäglichen Wahnsinn wird dabei liebevoll ergänzt durch groteske Anekdoten, die so oder so ähnlich passiert sind - oder es hätten können.


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»Sie haben gewonnen!«

Sind in Deutschland automatische Werbeanrufe eigentlich zulässig? Falls nicht, dann lassen sich so manche Werbeschaffenden zumindest nicht davon stören.

Jeder kennt doch diese automatischen Anrufe, die es ermöglichen nach Feierabend auch die Leute zuzuspamen, die gar keinen E-Mail-Zugang besitzen (oder den Rechner einfach aus haben). Oft hört man dann ein Tonband (gegen das man sich noch nicht einmal wehren kann) mit der Ansage »Sie haben gewonnen! - Um näheres zu erfahren wählen Sie 0190/...«.

Mehr muss man eigentlich nicht hören, an dieser Stelle kann man getrost auflegen, da keine Gewinne zu erwarten sind, die mehr wert sind, als die entsprechenden Verbindungskosten; schließlich kann der Anbieter mittels »Bitte warten!« die Verbindung beliebig in die Länge ziehen – wenn man denn so dumm ist, der Anweisung zu folgen.

Manchmal können Anrufe dieser Art allerdings durchaus erheiternd sein. Heute abend waren Irina und ich mit ein paar Freunden in unserer Stamm-Sneak-Vorstellung in einem Lautrer Kino. Ich verrate kein Geheimnis, dass der japanische Film »The Call« kam, eine Art zweihundertstes Remake von »The Ring« mit Handys und MMSn statt Telefon und Videoband.

Da gibt es eine Szene, in dem die Hauptprotagonistinnen – übrigens die einzigen Japanerinnen in diesem Film, die keine Schulmädchenuniform tragen – entsetzt auf den nächsten Anruf warten. Zu diesem Zeitpunkt ist ihnen klar, dass sie bald sterben müssen, falls der Geist am anderen Ende der Leitung ist. Das Handy klingelt (ein Rufton wie aus dem J*mb*-Spaß-Abo!), eines der Mädchen geht dran, und – Totenstille im Kino! In diesem Augenblick überkommt's mich, ich springe auf und rufe: »Sie haben gewonnen!« Das ganze Kino brüllt los vor Lachen, und der Film ist gelaufen: keiner kann ihn mehr ernst nehmen, auch als noch so viel Blut fließt. Vom hartgesottenen Macho, bis zu seiner ängstlichen Freundin: alle lachen beim allerkleinsten Anlass.

Der Film wird wohl eine bessere Note von den Sneak-Besuchern bekommen, als man erwartet hatte.

Eingetragen am 24 Oktober 2005 23:30 Uhr von Alexander

Nachtrag

Laut der Internet Movie Database wurde der Roman »Ringu« von Kôji Suzuki, auf dem der Film »The Ring« basiert, wiederum durch den MGM-Film (nicht die Serie) Poltergeist inspiriert. Seit 1982 ist also niemandem mehr was Neues eingefallen.


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Auch auf dieser Seite hat unser Blogger Alexander Dreyer einen Witz versteckt.
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Zuletzt geändert am 06 August 2005 16:30 Uhr